VMware zu Proxmox: So gelingt der Umstieg

Stand: September 2026

Die Verlängerung kommt meist per E-Mail vom Händler, und die Zahl darin ist höher als erwartet. Seit Broadcom VMware Ende 2023 übernommen hat, gibt es keine Dauerlizenzen mehr. Verkauft werden Abonnements in Paketen, kleinere Editionen wie Essentials Plus sind weggefallen, und wer nur einen Teil der Funktionen nutzt, bezahlt trotzdem das ganze Paket. Viele IT-Leitungen stehen deshalb vor der Frage, ob sie die nächste Laufzeit noch unterschreiben oder die Plattform wechseln.

Dieser Leitfaden zeigt, worauf es beim Umstieg auf Proxmox VE ankommt. Er ersetzt keine Planung für Ihre Umgebung, hilft aber dabei, die richtigen Fragen zu stellen, bevor die erste Maschine umzieht.

Was Proxmox VE ist und was nicht

Proxmox VE ist eine Virtualisierungsplattform der Wiener Proxmox Server Solutions GmbH. Sie basiert auf Debian, nutzt KVM für virtuelle Maschinen und LXC für Container und ist Open Source. Hochverfügbarkeit im Cluster, Live-Migration zwischen Hosts, Ceph als verteilter Speicher und ein eigener Backup Server gehören dazu. Kosten entstehen für die Subscription, die pro CPU-Sockel berechnet wird. Sie gibt Zugang zum Enterprise-Repository mit geprüften Updates und je nach Stufe zum Support des Herstellers. Abgeschlossen wird sie direkt bei Proxmox oder über einen Partner.

Was fehlt, ist der große Zubehörmarkt rund um vSphere. Manche Backup-Programme, Überwachungswerkzeuge oder Fachanwendungen sind auf VMware zertifiziert und unterstützen Proxmox nur eingeschränkt oder gar nicht. Genau das gehört an den Anfang jeder Planung, denn eine Anwendung ohne Herstellerfreigabe kann den ganzen Zeitplan kippen.

Welche VMware-Funktionen Sie ersetzen müssen

vMotion heißt bei Proxmox Live-Migration und funktioniert zwischen Hosts im selben Cluster. Die Hochverfügbarkeit startet ausgefallene Maschinen auf einem anderen Host neu, ähnlich wie vSphere HA. Statt vSAN kommt meist Ceph zum Einsatz, das direkt in Proxmox verwaltet wird und ab drei Hosts sinnvoll ist. Für Netzwerke über mehrere Hosts bringt Proxmox eine eigene SDN-Funktion mit, die allerdings anders aufgebaut ist als NSX.

Weniger ausgeprägt ist die automatische Lastverteilung. DRS verschiebt Maschinen selbstständig, wenn ein Host an seine Grenzen kommt. Proxmox verteilt Maschinen nach einfacheren Regeln, eine laufende Neuverteilung nach Last ist nicht im gleichen Umfang eingebaut. In den meisten Umgebungen lässt sich das mit einer sauberen Kapazitätsplanung auffangen. Bei stark schwankender Last sollten Sie es vorher prüfen. Auch Produkte wie Site Recovery Manager haben keine direkte Entsprechung.

Die Bestandsaufnahme

Bevor die erste Maschine umzieht, braucht es einen vollständigen Überblick: wie viele Hosts und virtuelle Maschinen es gibt, wie viel Speicher sie belegen, welche Betriebssysteme laufen und welche Maschinen voneinander abhängen. Dazu kommen die Dinge, die in keiner Liste stehen, etwa Skripte, die über die vCenter-Schnittstelle laufen, Backup-Jobs, die Überwachung oder Softwarelizenzen, die an eine Hardware-Kennung der virtuellen Maschine gebunden sind.

Am Ende der Bestandsaufnahme sollten drei Fragen beantwortet sein. Welche Systeme ziehen um, und welche werden abgelöst oder wandern in die Cloud? Reicht die vorhandene Hardware, oder verbinden Sie den Wechsel mit neuen Hosts? Und was kostet der Umstieg über drei bis fünf Jahre im Vergleich zu einer VMware-Verlängerung?

Der neue Cluster

Für einen hochverfügbaren Proxmox-Cluster braucht es mindestens drei Hosts, damit bei einem Ausfall die Mehrheit erhalten bleibt. Mit zwei Hosts geht es nur mit einem zusätzlichen Abstimmungsknoten. Die Netze sollten getrennt sein: eines für die Kommunikation im Cluster, eines für den Speicher, eines für Migration und Verwaltung und dazu die Netze der Anwendungen. Gerade die Cluster-Kommunikation reagiert empfindlich auf Verzögerungen und gehört deshalb nicht auf dieselbe Leitung wie der Speicherverkehr.

Beim Speicher gibt es zwei Wege. Ceph verteilt die Daten über alle Hosts und kommt ohne zentrales Speichersystem aus. Wer bereits ein gutes SAN hat, kann es weiter nutzen, etwa über iSCSI oder NFS. Beides funktioniert. Die Entscheidung hängt von Größe, Budget und dem Wissen im eigenen Team ab.

Die Migration in Wellen

Seit Version 8.2 bringt Proxmox einen Import-Assistenten mit, der sich direkt mit einem ESXi-Host verbindet, die virtuellen Maschinen auflistet und ihre Festplatten samt Konfiguration übernimmt. Getestet ist er für ESXi ab Version 6.5. Nicht importieren lassen sich Maschinen mit Festplatten auf vSAN und verschlüsselte Festplatten. Diese Maschinen brauchen einen Umweg, zum Beispiel indem die Festplatten vorher auf einen anderen Speicher verschoben werden.

Bewährt hat sich ein Vorgehen in Wellen. Zuerst ziehen unkritische Systeme um, etwa Testumgebungen oder interne Werkzeuge. Dabei zeigt sich, wo es hakt: fehlende Treiber, geänderte Namen von Netzwerkkarten, Lizenzen, die neu aktiviert werden müssen. Danach folgen die produktiven Systeme, gruppiert nach ihren Abhängigkeiten, damit zusammengehörige Anwendungen im selben Wartungsfenster umziehen.

Bei Windows-Maschinen lohnt es sich, vor dem Umzug die VirtIO-Treiber zu installieren. Sonst findet das System auf der neuen Plattform im ungünstigsten Fall seine Festplatte nicht und startet nicht. Die VMware Tools werden nach dem Umzug entfernt, an ihre Stelle tritt der QEMU Guest Agent.

Wichtig ist, dass jede Welle einen Rückweg hat. Solange die alte Maschine auf VMware nur ausgeschaltet und nicht gelöscht ist, lässt sich ein fehlgeschlagener Umzug schnell rückgängig machen.

Nach dem Umzug

Mit dem letzten Umzug ist die Arbeit nicht vorbei. Backups müssen laufen und regelmäßig testweise zurückgespielt werden, Updates für Proxmox und Ceph brauchen einen festen Plan, und die Überwachung muss die neuen Hosts kennen. Genauso wichtig ist die Dokumentation. Wie der Cluster aufgebaut ist, welche Netze wofür da sind und wie ein Host im Notfall ersetzt wird, sollte aufgeschrieben sein, bevor der erste Ausfall kommt.

Erst wenn alles stabil läuft, wird die alte VMware-Umgebung abgeschaltet. Den Termin dafür legen Sie am besten vor das Ende der aktuellen VMware-Laufzeit, mit etwas Puffer für Unvorhergesehenes.

Für wen sich der Wechsel lohnt

Für die meisten Umgebungen, die vSphere vor allem für Virtualisierung, Hochverfügbarkeit und Live-Migration nutzen, ist Proxmox eine tragfähige Alternative. Schwieriger wird es, wenn tief integrierte VMware-Produkte wie NSX oder Site Recovery Manager im Einsatz sind oder wichtige Anwendungen nur auf VMware freigegeben sind. Dann kann ein schrittweiser Weg sinnvoll sein, bei dem ein Teil der Systeme auf VMware bleibt, bis der Hersteller der Anwendung nachzieht.

Wenn Sie wissen möchten, wie das für Ihre Umgebung aussieht, rechnen wir den Wechsel gern mit Ihnen durch. Wir betreuen beide Plattformen und entscheiden mit Ihnen, welcher Weg passt. Mehr dazu auf der Seite Virtualisierung mit VMware und Proxmox. Oder Sie nehmen direkt Kontakt auf.