Cloud-Kosten senken: Wo das Geld liegen bleibt

Stand: September 2026

Die Cloud-Rechnung kommt jeden Monat, und fast jeden Monat ist sie ein Stück höher. Jede einzelne Position lässt sich erklären, zusammen ergibt sich trotzdem ein Betrag, der so nie im Budget stand. Damit sind Sie nicht allein: Im State of the Cloud Report 2026 von Flexera schätzen die befragten Unternehmen, dass rund 29 Prozent ihrer Cloud-Ausgaben verschwendet sind. Zum ersten Mal seit fünf Jahren ist dieser Wert wieder gestiegen, vor allem durch neue KI-Dienste und komplexere Plattformangebote.

Die gute Nachricht ist, dass sich ein großer Teil davon mit überschaubarem Aufwand zurückholen lässt. Wo Sie ansetzen, zeigt dieser Ratgeber.

Die häufigsten Kostentreiber

Ganz oben stehen Systeme, die rund um die Uhr laufen, obwohl sie nur zu bestimmten Zeiten gebraucht werden. Eine Test- oder Entwicklungsumgebung, die nur zu Bürozeiten genutzt wird, steht den größten Teil der Woche ungenutzt, wird aber voll bezahlt.

Fast genauso häufig sind zu groß gewählte Instanzen. Bei einer Migration werden Server oft eins zu eins übernommen, mit der Ausstattung, die sie im Rechenzentrum hatten, und dort war sie meist großzügig bemessen, weil nachträgliches Aufrüsten umständlich war. In der Cloud lässt sich die Größe jederzeit ändern, aber jemand muss es tun.

Dazu kommen vergessene Ressourcen: Festplatten, die an keinem Server mehr hängen, alte Snapshots, verwaiste Testumgebungen oder öffentliche IP-Adressen, die niemand mehr nutzt. Einzeln sind das kleine Beträge, zusammen summiert es sich schnell. Unterschätzt werden auch der Datentransfer aus der Cloud heraus und Speicher, der in einer teuren Klasse liegt, obwohl kaum jemand darauf zugreift.

Und schließlich fehlen oft Rabatte für die Grundlast. Wer Systeme dauerhaft betreibt, aber zum vollen Stundenpreis abrechnet, verschenkt Geld, das sich mit einer Laufzeitbindung sparen ließe.

Schritt 1: Transparenz schaffen

Sparen lässt sich nur, was man sieht. Alle drei großen Anbieter haben dafür eigene Werkzeuge, bei AWS den Cost Explorer, bei Azure das Cost Management und bei Google Cloud die Abrechnungsberichte. Damit die Zahlen etwas aussagen, braucht jede Ressource eine Zuordnung, etwa über Tags für Projekt, Kostenstelle und Umgebung. Erst dann wird sichtbar, welches Projekt wie viel kostet und wo die Kosten plötzlich steigen. Budgets mit Warnungen sorgen dafür, dass ein Ausreißer nicht erst mit der Monatsrechnung auffällt.

Schritt 2: Aufräumen und die Größe anpassen

Im zweiten Schritt geht es an die offensichtlichen Posten. Verwaiste Ressourcen werden gelöscht, Test- und Entwicklungsumgebungen außerhalb der Arbeitszeit automatisch abgeschaltet, und Instanzen, die dauerhaft nur einen Bruchteil ihrer Leistung nutzen, bekommen eine kleinere Größe. Die Auslastungsdaten dafür liefern die Anbieter selbst. Wichtig ist, dabei nicht zu knapp zu planen: Eine Datenbank, die zum Monatsabschluss unter Last gerät, braucht ihre Reserve genau dann.

Schritt 3: Für die Grundlast weniger zahlen

Was nach dem Aufräumen dauerhaft läuft, ist Ihre Grundlast. Für sie bieten alle Anbieter Rabatte gegen eine Bindung über ein oder drei Jahre: bei AWS Reserved Instances und Savings Plans, bei Azure Reservierungen und Savings Plans, bei Google Cloud Committed Use Discounts. Je nach Anbieter und Laufzeit sind damit deutliche Nachlässe gegenüber dem Stundenpreis möglich. Die Bindung sollte allerdings erst nach Schritt 2 kommen, sonst reservieren Sie genau die Überkapazität, die Sie eigentlich abbauen wollten.

Schritt 4: Die Architektur überdenken

Die größten Einsparungen liegen oft in der Architektur. Anwendungen, die automatisch mit der Last wachsen und schrumpfen, verwaltete Datenbanken statt selbst betriebener Server oder ein Datenfluss, der nicht ständig zwischen Regionen und Anbietern hin- und herläuft, senken die Kosten dauerhaft. Das ist mehr Arbeit als eine Größenanpassung und lohnt sich vor allem für die Anwendungen mit den höchsten Kosten.

Manchmal ist die ehrliche Antwort auch, dass ein System in der Public Cloud am falschen Ort ist. Anwendungen mit gleichmäßiger, gut planbarer Last laufen über mehrere Jahre auf eigener Hardware oder in einer eigenen Cloud oft günstiger. Wie Sie diese Frage systematisch beantworten, steht im Ratgeber zur Hybrid-Cloud-Strategie.

Damit die Kosten unten bleiben

Ein einmaliges Aufräumen hält selten lange. Nach ein paar Monaten sind neue Testumgebungen entstanden, und die nächste Anwendung ist wieder eins zu eins umgezogen. Dauerhaft hilft nur ein fester Rhythmus: ein monatlicher Blick auf die Kosten je Projekt, klare Zuständigkeiten für jedes Budget und eine Regel, dass neue Ressourcen ohne Zuordnung gar nicht erst angelegt werden. In größeren Organisationen hat sich dafür der Begriff FinOps etabliert, gemeint ist im Kern genau diese Zusammenarbeit von IT, Fachbereichen und Controlling.

Wie wir dabei helfen

In einer Cloud-Kosten-Prüfung sehen wir uns Ihre Abrechnung, die Auslastung und die Architektur an und geben Ihnen eine Liste der Maßnahmen, sortiert nach Einsparung und Aufwand. Die Umsetzung übernehmen wir auf Wunsch selbst, und im Rahmen unserer Managed Services behalten wir die Kosten auch danach im Blick. Sprechen Sie uns an, wenn Ihre Cloud-Rechnung Fragen aufwirft.